Ambühls politische Streitschrift zur Corona-Pandemie (2020/2021). Das Buch deutet Pandemiemassnahmen als "fundamentalistische Religion" und ruft zu zivilem Widerstand auf. Neben dem Titelessay: ein Reisetagebuch über die deutsche "Corona-Info-Tour", eine persönliche Arbeit über eine homöopathische "Berliner Apotheke" und ein Essay über Bürger-Staat als Ehe. Meinungsstark; zentrale Thesen widersprechen laut Claude (nicht dem Autor) dem wissenschaftlichen Konsens.
„Covidokratie – Liebe und ziviler Widerstand“ ist Daniel Ambühls politisches Buch zur Corona-Pandemie: die Erstausgabe erschien Ende 2020, die hier vorliegende zweite, erweiterte Auflage im September 2021. Es ist kein Sachbuch im Sinne seiner naturwissenschaftlichen Werke, sondern eine explizit meinungsstarke, persönliche Streitschrift, die aus vier Texten und zwei eingestreuten Mundart-Gedichten seines Freundes Thomas Primas besteht.
Der titelgebende Hauptessay „Covidokratie“ entstand im September 2020, während Ambühl von einer mehrmonatigen Reise im kongolesischen Kilueka in die Schweiz zurückkehrte. Ausgehend von seiner eigenen Erfahrung eines chaotischen Repatriierungsflugs aus Kinshasa und dem anschliessenden „Kulturschock“ einer menschenleeren Schweiz im Lockdown, entwickelt Ambühl eine grundsätzliche Kritik an den staatlichen Pandemiemassnahmen. Der Kern seiner Position: Er bestreitet, dass die Sterblichkeitsdaten der Schweiz eine „Übersterblichkeit“ zeigten, hält PCR-Tests für ungeeignet zum Nachweis von Infektionen, und deutet die mediale und politische Reaktion auf die Pandemie als überzogene, teils bewusst inszenierte Panikmache im Interesse von Pharmaindustrie, WHO und regierungsnahen Medien. Diese Thesen stehen im Widerspruch zum internationalen wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Konsens, der eine erhebliche, in vielen Ländern gut dokumentierte Übersterblichkeit während der Pandemie sowie die diagnostische Validität der PCR-Methode belegt. (Diese Einschätzung stammt von Claude, das diese Zusammenfassung verfasst hat, nicht vom Autor, der sie nicht teilt.) Das Buch versteht sich ausdrücklich nicht als sachliche Auseinandersetzung mit Fakten zur Viruserkrankung, sondern als politisches Pamphlet gegen das, was Ambühl als „faschistoide Theokratie der Coronavirus-Gläubigen“ bezeichnet.
„Lockdown in Rhodos“ verbindet ein persönliches Reisetagebuch – Ambühl verbringt drei Wochen im griechischen Lockdown auf Rhodos – mit einer begeisterten Reportage über die deutsche „Corona-Info-Tour“ von Bodo Schiffmann, Ralf Ludwig, Wolfgang Greulich und Samuel Eckert, eine mehrwöchige Bustour durch Deutschland, die live im Internet übertragene Kundgebungen gegen die Corona-Massnahmen organisierte und dabei wiederholt in juristische und polizeiliche Auseinandersetzungen geriet. Ambühl schildert diese Bewegung sympathisierend als friedlichen, zivilgesellschaftlichen Widerstand und zieht Parallelen zu den DDR-Bürgerbewegungen von 1989.
„Berliner Apotheke“ wechselt den Ton grundlegend: Ein persönlicher, künstlerisch-meditativer Essay erzählt von Ambühls Zeit als bildender Künstler in Berlin-Mitte in den 1990er-Jahren, wo er auf dem ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer Schmetterlingsraupen sammelte und aus deren „Puppenharn“ eine homöopathische Sammlung von 25 Urtinkturen herstellte – ein assoziatives Bild für Angst und Verwandlung in unsicheren Übergängen, das er explizit auf den Übergang von einer „Corona-Diktatur“ in eine neue gesellschaftliche Phase bezieht. Es folgt „Ein Kräuterzeichen der Zeit“, ein kurzer Gastessay seines Freundes Thomas Primas.
Den Abschluss bildet „Liebe und ziviler Widerstand“, ein philosophisch-allegorischer Essay, der die Beziehung zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Staat als Ehe deutet, deren Treuebruch – begangen durch eine Regierung, die sich mit „Pharmaindustrie, Finanzwelt und Global Leaders“ eingelassen habe – zivilen Widerstand nicht nur rechtfertige, sondern zur Bürgerpflicht mache. Der Essay schliesst mit einem ausdrücklichen Bekenntnis zu gewaltfreiem, aber entschlossenem Widerstand.
„Covidokratie“ ist damit ein Dokument seiner Zeit: Es reiht sich ein in die international breite Literatur pandemiekritischer, teils verschwörungsnaher Streitschriften der Jahre 2020/21 und übernimmt zentrale Argumentationsmuster und Referenzfiguren dieser Bewegung (u. a. Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi, Christian Drosten wird durchgehend polemisch als „Oberpaniker“ bezeichnet). Wer sich für Ambühls literarisches und publizistisches Gesamtwerk interessiert, findet hier die eigenständige, konzentrierte Fassung jener politischen Positionen, die auch in seinem späteren Roman „Venedig versenken“ (2022) im Kapitel „Das Schwarm-Modell“ wiederkehren und dort in eine breitere zivilisationskritische Erzählung eingebettet werden. Das Buch sollte nicht als Quelle für medizinische oder epidemiologische Informationen, sondern als Zeitdokument einer bestimmten politischen Position und Stimmung gelesen werden.
„Covidokratie – Liebe und ziviler Widerstand“ nimmt in Daniel Ambühls Werk eine Sonderstellung ein. Anders als seine naturwissenschaftlichen Sachbücher oder seine literarische Prosa ist dieses schmale Buch (120 Seiten, Erstausgabe Ende 2020, zweite erweiterte Auflage September 2021) eine unverhohlene politische Streitschrift: eine persönliche Reaktion auf die Schweizer und internationale Corona-Politik der Jahre 2020/21, verfasst in der Hitze der damaligen gesellschaftlichen Auseinandersetzung und ohne den distanzierteren, kompilierenden Anspruch seiner sonstigen Sachbücher. Das Vorwort macht diesen Unterschied selbst deutlich: „In diesem Buch geht es nicht um faktische Erörterungen der Viruserkrankung“, schreibt Ambühl – das Buch versteht sich explizit als Meinungsschrift, nicht als sachliche epidemiologische Auseinandersetzung.
Diese Besprechung versucht, dem Buch in zweierlei Hinsicht gerecht zu werden: Sie beschreibt Inhalt, Aufbau und rhetorische Strategie des Werks so genau wie die anderen Bücher in diesem Katalog, und sie benennt zugleich unmissverständlich, wo die im Buch als Tatsachen präsentierten Behauptungen dem heutigen wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Kenntnisstand widersprechen. Beides gehört zu einer ehrlichen Beschreibung dieses Buches dazu.
Der titelgebende Essay, im September 2020 in Afrika begonnen und in der Schweiz fertiggestellt, bildet mit rund 45 Seiten das Herzstück des Bandes. Er beginnt mit einer eindrücklichen, autobiografisch grundierten Szene: Ambühls chaotischer Repatriierungsflug aus Kinshasa im April 2020, nach mehreren Monaten Feldarbeit im kongolesischen Kilueka, gefolgt vom „Kulturschock“ einer menschenleeren Schweiz im ersten Lockdown. Diese persönliche, anschauliche Eröffnung – mit genauen Beobachtungen zu Strassensperren, Fiebermessungen und einer leergefegten Zürcher Innenstadt – ist stilistisch stark und macht nachvollziehbar, aus welcher konkreten Erfahrung heraus Ambühls Kritik entsteht: Als jemand, der Wochen ohne Corona-Berichterstattung in der afrikanischen Savanne verbracht hatte, trifft ihn die Wucht der europäischen Reaktion mit besonderer Fremdheit.
Von dieser persönlichen Beobachtung aus entwickelt der Essay jedoch rasch eine Reihe von Tatsachenbehauptungen, die zum Kern seiner Argumentation werden: Es gebe keine Pandemie, weil keine Übersterblichkeit vorliege; das Coronavirus sei im Sommer 2020 „verschwunden“; PCR-Tests könnten keine Infektionen nachweisen und ihre positiven Ergebnisse seien grösstenteils Falschresultate; eine Impfung sei nicht nötig, weil das Immunsystem das Virus längst besiegt habe; und die mediale wie politische Reaktion auf die Pandemie sei das Ergebnis einer koordinierten Einflussnahme von Pharmalobby, WHO und regierungsnahen Medien. Diese Kernthesen werden im weiteren Verlauf des Essays wiederholt und mit wechselnden Beispielen unterlegt, unter anderem mit Verweisen auf einzelne kritische Mediziner (Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi, den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel) und mit durchgehend polemischen Bezeichnungen für Institutionen und Personen, die Ambühl kritisch sieht – der Berliner Virologe Christian Drosten wird etwa wiederholt als „Oberpaniker“ tituliert.
Es muss an dieser Stelle unmissverständlich festgehalten werden: Diese zentralen Behauptungen stehen im klaren Widerspruch zum heutigen wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Kenntnisstand. Die Übersterblichkeit während der Corona-Pandemie ist – für die Schweiz wie international – in den offiziellen Statistiken (unter anderem des Bundesamts für Statistik und der WHO) gut dokumentiert; PCR-Tests sind ein etabliertes, validiertes diagnostisches Verfahren zum Nachweis viraler Erbinformation; und die Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe bei der Reduktion schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle ist durch umfangreiche klinische und epidemiologische Studien belegt. Die im Buch vertretene Gegenthese, die Pandemie sei im Kern eine mediale und politische Inszenierung gewesen, findet in der internationalen Wissenschaft keine Deckung. Das Buch ist damit, bei aller stilistischen Eindringlichkeit seiner persönlichen Passagen, in seinen zentralen Tatsachenbehauptungen kein verlässliches Sachbuch zur Pandemie, sondern Ausdruck einer politischen Überzeugung, die zur breiteren, international zu beobachtenden Bewegung pandemiekritischer, teils verschwörungsnaher Literatur der Jahre 2020/21 zu zählen ist.
Unabhängig von der Faktenfrage lässt sich der Essay auch als rhetorisches und gesellschaftspolitisches Dokument lesen: Er zeigt, mit welcher Wucht und Emotionalität sich Teile der Bevölkerung während der Pandemie gegen staatliche Massnahmen wandten, welche Argumentationsfiguren dabei verwendet wurden (die Berufung auf „öffentlich zugängliche“ Statistikdaten als vermeintlich unwiderlegbaren Beleg, der Vergleich mit historischen Diktaturen, die Fürsorge um „Gutgläubige“, die angeblich getäuscht würden), und wie sich eine alternative Medien- und Expertenszene formierte, die Ambühl in seinem Essay ausdrücklich würdigt.
Der zweite Text verbindet ein persönliches Reisetagebuch – drei Wochen im griechischen Lockdown auf Rhodos, mit Beobachtungen zu leeren Strassen, gesperrten Restaurants und einer bemerkenswert gelassenen Nichtbeachtung der Ausgangsregeln durch die einheimische Bevölkerung – mit einer ausführlichen, deutlich sympathisierenden Reportage über die deutsche „Corona-Info-Tour“. Diese von Bodo Schiffmann, Ralf Ludwig, Wolfgang Greulich und Samuel Eckert organisierte, live im Internet übertragene Bustour führte im Herbst 2020 zu über siebzig Stationen durch Deutschland und mobilisierte laut Ambühls Angaben zwischen 50.000 und 100.000 Zuschauer pro Übertragung. Ambühl schildert die Auftritte der vier „Busketiere“ detailliert und mit klarer Sympathie, vergleicht die Bewegung mit den DDR-Bürgerrechtsbewegungen von 1989 und lobt insbesondere die begleitende juristische Unterstützung, die es der Tour ermöglichte, gegen behördliche Auflagen und Verbote gerichtlich vorzugehen.
Diese Passagen sind historisch insofern von Interesse, als sie ein zeitgenössisches, unmittelbares Zeugnis der sogenannten „Querdenken“-nahen Bewegung liefern – einer Bewegung, die in der öffentlichen und wissenschaftlichen Aufarbeitung der Pandemie kontrovers beurteilt wird, unter anderem wegen der Nähe einzelner Teilnehmender und Redner zu Verschwörungserzählungen und extremistischen Milieus. Ambühls Darstellung übernimmt die Selbstdeutung der Bewegung weitgehend unkritisch als „friedlichen, demokratischen“ Protest und thematisiert diese kontroverse Einordnung nicht.
Formal und tonal deutlich abweichend ist der dritte Text, der von Ambühls Zeit als bildender Künstler in Berlin-Mitte Mitte der 1990er-Jahre erzählt. Auf dem damals noch brachliegenden ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer sammelte er Schmetterlingsraupen und stellte aus deren „Puppenharn“ – der Ausscheidungsflüssigkeit, die ein frisch geschlüpfter Falter vor dem ersten Flug abgibt – eine homöopathische Sammlung von 25 Urtinkturen her, die er „Berliner Apotheke“ nannte. Der Essay verbindet diese künstlerisch-naturkundliche Arbeit mit der Geschichte des Ortes (unter anderem der Geschichte eines Fluchttunnels unter der Mauer und der 1985 gesprengten Versöhnungskirche) und deutet die gesammelten Tinkturen als Signaturen für Angst und Verwandlung in unsicheren biografischen Übergängen – ein Bild, das er explizit auch auf den gesellschaftlichen „Übergang von einer Corona-Diktatur“ bezieht. Dieser Text ist der literarisch und assoziativ dichteste des Bandes und zeigt eine deutlich persönlichere, weniger polemische Seite des Autors als die beiden vorangegangenen Essays. Es folgt ein kurzer Gastbeitrag seines Freundes Thomas Primas, „Ein Kräuterzeichen der Zeit“, der die Bildwelt der Berliner Apotheke aus eigener Perspektive weiterspinnt.
Der abschliessende Essay entwickelt eine durchgehende Ehe-Metaphorik: Die Verfassung eines Staates wird als Eheversprechen zwischen Volk und Regierung gedeutet, gegründet auf Liebe, Treue und freie gegenseitige Zustimmung. Ambühl argumentiert, dass die Schweizer Regierung mit ihrer Pandemiepolitik diesen „Ehevertrag“ einseitig gebrochen habe – im Bild gesprochen: fremdgegangen sei mit „Pharmaindustrie, Finanzwelt und Global Leaders“ –, und leitet daraus die Bürgerpflicht zu zivilem, ausdrücklich gewaltfreiem Widerstand ab. Der Essay endet mit einem klaren, mehrfach wiederholten Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit, verweist aber zugleich auf das Recht zur „Volksbewaffnung“ in „Putschsituationen“ als äusserste, nicht angestrebte Konsequenz.
Stilistisch ist „Covidokratie“ das direkteste und am wenigsten literarisch verarbeitete Buch in Ambühls Werk: kurze, oft im Ausrufungston gehaltene Sätze, viele rhetorische Fragen, eine durchgehend polemische, mitunter derbe Wortwahl gegenüber politischen Gegnern und Institutionen. Dieser Stil unterscheidet sich merklich von der sonst in seinem Werk zu findenden Balance aus naturwissenschaftlicher Präzision, erzählerischer Empathie und selbstironischem Humor; hier dominiert die Empörung. Einzige Ausnahme bildet der „Berliner Apotheke“-Essay, der in einem deutlich ruhigeren, meditativeren Register geschrieben ist und zeigt, dass der Autor auch in der emotional aufgeladenen Zeit der Buchentstehung zu leiseren, persönlicheren Tönen fähig war.
Wer Ambühls späteres Werk kennt, findet in „Covidokratie“ den Ursprung eines Motivs, das sich durch sein gesamtes Schaffen zieht: die Skepsis gegenüber zentralisierter Macht, gegenüber Medien und wissenschaftlichen Institutionen, und die Sympathie für Selbstermächtigung und zivilgesellschaftlichen Eigensinn. Diese Grundhaltung, hier in explizit pandemiepolitischem Kontext formuliert, kehrt in seinem Roman „Venedig versenken“ (2022) im Kapitel „Das Schwarm-Modell“ in nahezu identischer Argumentation wieder – dort eingebettet in eine umfassendere, mythologisch und zivilisationskritisch grundierte Erzählung, die denselben Grundthesen eine literarischere Form gibt. Auch die in seinen Sachbüchern wiederkehrende Kritik an regulatorischen Behörden, staatlicher Bevormundung und veröffentlichter Meinung (etwa in den Kapiteln zur Speiseinsekten-Regulierung in „Skyfood“ und „Beezza!“) lässt sich als mildere, sachlich eingehegte Variante derselben grundsätzlichen Institutionenskepsis lesen, die in „Covidokratie“ ihre schärfste und am wenigsten zurückhaltende Ausprägung findet.
Diese Besprechung wäre unvollständig und irreführend, würde sie die faktischen Probleme des Buches nicht klar benennen, und zwar konkret statt mit einem pauschalen Verweis auf Autoritäten. Das Buch behauptet, es gebe keine Übersterblichkeit. Die eigenen Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen jedoch: 2020 registrierte die Schweiz rund 75'900 Todesfälle gegenüber 68'400 statistisch erwarteten – ein Plus von rund 7'500 Fällen oder elf Prozent, mehr als dreimal so hoch wie die Übersterblichkeit im bisherigen Rekordjahr 2015. Über die Wellen 2020/2021 hinweg registrierte das BFS rund 12'029 Todesfälle mehr als erwartet, wovon rund 14'480 mit Covid-19 als gemeldeter Haupttodesursache verzeichnet wurden. Diese Zahlen stammen aus derselben amtlichen Statistik, auf die sich das Buch selbst wiederholt beruft; das Buch zitiert sie jedoch nicht mit Quellenangabe, sondern behauptet pauschal das Gegenteil. Ähnlich verhält es sich mit der Behauptung, PCR-Tests hätten keine diagnostische Aussagekraft: Die Methode weist virale RNA-Sequenzen nach, deren Spezifität in validierten Laborstudien belegt ist; dass ein Test bei falscher Zyklenzahl auch alte, nicht mehr infektiöse Virusfragmente erfassen kann, ist ein reales methodisches Diskussionsfeld, aber etwas anderes als die im Buch vertretene Behauptung, der Test messe „irgendwelche Bruchstücke“, die ebenso in Papayas vorkämen. Das Buch bietet für seine Kernthesen keine Fussnoten, Studienverweise oder nachprüfbaren Quellenangaben.
Hinweis zur Quelle dieser Einordnung: Der vorliegende Absatz sowie die Einschätzung im Hinweis am Seitenanfang stammen von Claude, dem KI-Modell, das diese Buchbesprechungen im Auftrag von Skyfood Publishing verfasst hat — nicht vom Autor Daniel Ambühl. Leserinnen und Leser können diese Einordnung entsprechend selbst gewichten.
Als literarisches und zeitgeschichtliches Dokument – als persönliches Zeugnis der Emotionalität, Argumentationsmuster und Milieus der pandemiekritischen Bewegung in der Schweiz und Deutschland 2020/21 – hat das Buch hingegen einen eigenständigen Wert: Es zeigt anschaulich, wie sich individuelle Verunsicherung, generelles Misstrauen gegenüber Institutionen, persönliche Reiseerfahrungen und eine bereits vor der Pandemie vorhandene Skepsis gegenüber regulatorischer Bevormundung (die sich, wie in seinen Sachbüchern zu sehen, auch unabhängig von Corona durch Ambühls Werk zieht) zu einer geschlossenen politischen Position verdichten konnten. Auch die stilistische Bandbreite des Bandes – vom Kampfessay über das sympathisierende Bewegungsporträt bis zur persönlich-künstlerischen Reflexion der „Berliner Apotheke“ – macht deutlich, dass hinter der politischen Position ein komplexer, keineswegs eindimensionaler Autor steht.
Zwischen die Prosaessays sind zwei Mundartgedichte von Ambühls Freund Thomas Primas eingestreut, betitelt „Psalme vo de Berge“ (Nummer 9 und 6 einer offenbar grösseren Sammlung). In berndeutschem Dialekt, in freien Versen und mit deutlich religiösem, an biblische Psalmen angelehntem Duktus, verhandeln sie Freundschaft, Treue und die Beziehung zwischen Mensch und Gott – Themen, die formal in einem auffälligen Kontrast zur politischen Schärfe der umgebenden Prosa stehen. Diese Gedichte fungieren im Buch als eine Art Atempause: Nach den dicht argumentierenden, oft zornigen Passagen der Essays schaffen sie einen Moment der Besinnung und erinnern daran, dass Ambühls Auseinandersetzung mit der Pandemie, wie er selbst im Vorwort zur zweiten Auflage andeutet, auch von Gesprächen mit Primas geprägt wurde, der ihn zu einem versöhnlicheren, weniger „selbstgerechten und polternden“ Ton ermutigte – ein Ringen um Tonfall, das im fertigen Buch nur teilweise gelungen scheint, aber immerhin sichtbar bleibt.
Zur Einordnung des zweiten Essays sei ergänzt, dass die von Ambühl geschilderte „Corona-Info-Tour“ und das ihr nahestehende „Querdenken“-Milieu in der deutschen und internationalen Berichterstattung sowie in Untersuchungen von Verfassungsschutzbehörden differenziert und überwiegend kritisch beurteilt werden: Beobachtende Institutionen dokumentierten in Teilen der Bewegung Überschneidungen mit rechtsextremen, reichsbürgernahen und verschwörungsideologischen Milieus, auch wenn ein grosser Teil der Teilnehmenden aus bürgerlichen, nicht extremistischen Kreisen stammte. Ambühls Darstellung im Buch erwähnt diese kontroverse Einordnung nicht und beschreibt die Bewegung durchgehend als einheitlich friedlich, bürgerlich und demokratisch motiviert. Wer sich für eine ausgewogenere historische Einordnung dieser Bewegung interessiert, sei auf die einschlägige politikwissenschaftliche und journalistische Aufarbeitung verwiesen.
„Covidokratie“ richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für Ambühls persönliche politische Positionierung interessieren oder die als Zeitzeugnis verstehen möchten, wie sich pandemiekritische Positionen in der Schweiz 2020/21 rhetorisch und argumentativ artikulierten. Es ist ausdrücklich keine Quelle für medizinische, epidemiologische oder gesundheitspolitische Informationen, und seine zentralen Tatsachenbehauptungen zur Pandemie sollten nicht unkritisch übernommen werden. Wer Ambühls übriges Werk – seine naturkundlichen Sachbücher, seine Reiseprosa, seinen Roman „Venedig versenken“ – aus Interesse an seiner Person und seinem publizistischen Gesamtprojekt liest, findet in „Covidokratie“ das dichteste, unmittelbarste und zugleich kontroverseste Dokument seiner politischen Haltung: ein Buch, das mehr über eine bestimmte Zeit, eine bestimmte Stimmung und einen bestimmten Autor aussagt als über das Virus, dem es seinen Titel verdankt.