Autorenportrait

Daniel Ambühl

Daniel Ambühl, 2026

Daniel Ambühl, geboren am 2. März 1958 in Zürich, ist freischaffender Künstler, Publizist und Forscher. Bürger von Zürich und Wattwil im Toggenburg, wuchs er als Sohn eines Mathematikers in der Turbinenforschung auf und begann seinen Werdegang als Maler, Journalist und Radiopionier: 1981 gehörte er zu den Machern des damals illegalen Senders Radio 24, später arbeitete er als Redaktor und Moderator beim Schweizer Fernsehen und als Chefredaktor des Zürcher Monatsmagazins «Bonus». Parallel dazu entwickelte sich ein eigenständiges bildnerisches Werk mit zahlreichen Einzelausstellungen, den international realisierten «Bildwegen» in Städten wie Zürich, Berlin, Basel, Braunschweig und Greifswald sowie Buchunikaten wie «Das Fischgericht».

Seit den 2000er-Jahren verschiebt sich Ambühls Schaffen zunehmend in den Bereich der angewandten Naturforschung: Pilzzucht (Pilzzeria, Pilzgarten), Käferzucht (Käferkäfer), das Naturbauprojekt Dendrotektura, bei dem Bäume gezielt zu Möbeln herangezogen werden, und schliesslich das Feld, das sein Werk bis heute prägt: die Domestizierung essbarer Insekten. Mit dem 2014 gegründeten Projekt Skyfood und dem gleichnamigen, 2019 gegründeten Verlag baute er ein Netzwerk für Entomophagie-Forschung auf, das ihn wiederholt in die Demokratische Republik Kongo führte. Dort entwickelte er zusammen mit dem kongolesischen Partner Augustin Konda ku Mbuta das Mbinzo-Projekt zur Zucht der Eri-Seidenraupe Samia ricini als nachhaltige Proteinquelle.

Ambühl ist Vater zweier Kinder, Alisha (geboren 1995 in Berlin) und Shayan (geboren 1999 in Richterswil), und war von 1991 bis 2013 Vegetarier, bevor er sich der Entomophagie zuwandte. Seit 2023 lebt er einen Grossteil des Jahres auf der griechischen Insel Patmos und seit 2024 auf der benachbarten, kaum besiedelten Insel Agathonisi, wo er auf mehreren terrassierten Grundstücken ein Selbstversorgungs- und Ökologieprojekt aufbaut — Regenwasserteiche, Obstbaumkulturen, ein entstehender Permakulturgarten —, das als praktisches Demonstrationsmodell für ökologische und kulturelle Erneuerung gedacht ist.

Sein literarisches Werk ist eng mit dieser Lebenspraxis verwoben. In aphoristisch-satirischer, oft dialogischer Prosa, in der neben seinem Alter Ego «Danielos» auch antike Stichwortgeber wie Sokrates und Aristophanes auftreten, verarbeitet Ambühl Reise, Naturbeobachtung, Zeitkritik und Mythologie zu einem eigenwilligen literarischen Kosmos. Zentrales Werk ist die mehrbändige Reihe Die Heilige Insel (ursprünglich Das letzte Bild), die auf Patmos und Agathonisi spielt und mittlerweile den vierten Band erreicht hat; ein fünfter, abschliessender Band ist in Arbeit. Daneben stehen die Erzählbände Blaue Früchte und Warme Füsse, das zeitkritische Werk Covidokratie, Liebe und ziviler Widerstand, der Roman The Great Regret — Das Grosse Bedauern, die Reiseerzählung Schiffswürmer, die 600-seitige Gesellschaftscollage Venedig versenken sowie das kurze Wege des Esels.

Populärwissenschaftlich und praxisorientiert ergänzt wird das literarische Werk durch die Fachbücher zur Entomophagie: Beezza — Das Bienenkochbuch, Skyfood — Essbare Insekten. Vom Wildfang zur Landwirtschaft sowie, gemeinsam mit Augustin Konda ku Mbuta verfasst, Mbinzo — Domestizierung und Esskultur afrikanischer Speiseinsekten und Cheniculture et Reforestation. Für 2027 ist zudem Food from Wood angekündigt, dessen Text bereits seit 2020 vorliegt und dessen Illustration derzeit entsteht. Alle Bücher erscheinen im eigenen Skyfood Verlag und sind, dem Grundsatz der Demonstration statt Kommerz folgend, als freie PDF verfügbar; physische Ausgaben können bestellt werden.

Daniel Ambühls Werk — ob als Maler, Radiopionier, Insektenforscher oder Schriftsteller — kreist um eine wiederkehrende Frage: wie sich Ehrlichkeit, Eigenverantwortung und ein unverstelltes Verhältnis zur Natur in einer Zeit bewahren lassen, die von Verwaltung, Narrativen und Bequemlichkeit geprägt ist. Diese Haltung, streitbar und humorvoll zugleich, verbindet die Bildwege seiner Zürcher Jahre mit den Ziegen, Vögeln und Zauberern seiner griechischen Inselbücher.

Bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren zeigte sich diese Verbindung von künstlerischer Praxis und ziviler Streitbarkeit: als Mitbegründer des einst illegalen Senders Radio 24, als Chefredaktor, als Initiant öffentlicher «Bildwege» zu lokalen Sagen und Geschichten in mehreren europäischen Städten, aber auch als hartnäckiger Pionier in Projekten wie der Dendrotektura oder dem Verein Hirschkäfer zur Erforschung einheimischer und exotischer Käferarten. Diese Vielseitigkeit — zwischen Atelier, Sendestudio, Pilzlabor und Insektenzucht — bildet den Nährboden, aus dem später sowohl die populärwissenschaftlichen Skyfood-Bücher als auch die literarische Reihe Die Heilige Insel hervorgingen.

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Herkunft und frühe Jahre

Daniel Ambühl wurde am 2. März 1958 in Zürich geboren, Bürger von Zürich und von Wattwil im Toggenburg, wo bereits seine Grosseltern als Kleinbauern in den Dörfern Tufertswil und Kirchberg lebten. Sein Vater Heinrich Ambühl war Mathematiker in der Turbinenforschung bei Escher-Wyss und Sulzer, seine Mutter Ida Ambühl-Mettler Hausfrau. Er hat zwei Schwestern, Ursula (Jahrgang 1956) und Katrin (Jahrgang 1961). Nach der Primarschule in Zürich-Höngg besuchte er ab 1970 die Kantonsschule Rämibühl und maturierte 1977 (Typus C, mit Latein). Bereits als Gymnasiast entstanden erste Ölgemälde im Stil der italienischen Metaphysiker Carrà und De Chirico sowie erste Kurzfilme.

An der Universität Zürich studierte er im Hauptfach Pädagogik, mit den Nebenfächern Publizistik und Germanistik — eine Fächerkombination, die sich später in seinem Doppelleben als bildender Künstler und Schreibender spiegeln sollte. Parallel zum Studium entstanden zunehmend abstrahierte Landschaftsaquarelle und erste journalistische Arbeiten, unter anderem für die Zürcher Jugendzeitschrift «Einezwänzgi» und als freier Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung.

Medienpionier und Künstler

1978 gründete Ambühl eine Computer-Softwarefirma, 1981 ging er als Redaktor und Moderator zum damals noch illegalen Sender Radio 24 nach Cernobbio in Italien; erst 1984 wurde Lokalradio in der Schweiz legalisiert, worauf er nach Zürich zurückkehrte. In den folgenden Jahren war er als Bassist auf Kleintheatertournee, arbeitete als Redaktor, Projektleiter, Moderator und Autor beim Schweizer Fernsehen (unter anderem für die Sendungen «Eins:zu:Eins» und «Computeria») und wurde 1990 mit dem Telepreis ausgezeichnet — bevor er im selben Jahr wegen einer Enthüllungsgeschichte über den «Blick-TED» beim Fernsehen kündigte und zum Chefredaktor des Zürcher Monatsmagazins «Bonus» wechselte.

Gleichzeitig entfaltete sich ein eigenständiges bildnerisches Werk: zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Zürcher Galerien, die Entwicklung eigener Maltechniken (die «Bunte Linie», handgefertigte Ölpastellkreiden), Portraitaktionen mit wechselnden Modellen, Arbeiten in Emaille, Miniaturguss und Skulptur. Ab 1991 betrieb er das eigene Atelier «Das Ompfl» an der Zürcher Seefeldstrasse. Prägend wurde ab 1996 das Konzept des «Bildwegs» — öffentlich zugängliche, ortsspezifische Bildstationen zu lokalen Geschichten und Sagen —, das er in der Folge in Zürich, Berlin (zweimal), Baden, Borken, Braunschweig, Greifswald, Ludwigsburg, am Walensee und im Rahmen der Landesausstellung Expo.02 auf allen vier Arteplages realisierte; über 30’000 Menschen nahmen allein am Artwalk der Expo.02 teil.

1994 zog Ambühl nach Berlin-Mitte, heiratete dort Azita Khatibi (geboren in Teheran) und gründete mit dem Zürcher Dichter Thomas Primas den Steintisch-Verlag. In dieser Zeit entstand das Buchunikat «Das Fischgericht», 1995 wurde Tochter Alisha Radha Anna geboren, 1999 in Richterswil Sohn Shayan David Naïm. 1999 entwarf Ambühl im Auftrag einer Zürcher Privatbank das Kunstprojekt «zh2000», ein als 120 Meter langes Hologramm an der Zürcher Quaibrücke geplantes Werk zur 2000-jährigen Geschichte des christlichen Abendlands, das von der städtischen Kunstkommission abgelehnt wurde.

Wende zur Naturforschung

Ab Mitte der 2000er-Jahre verlagerte sich Ambühls Schaffen zunehmend von der bildenden Kunst zur angewandten Naturforschung. 2005 startete er mit der Pilzzeria ein Pionierprojekt zur Freiland-Pilzzucht auf Holzstämmen, gefolgt vom Aufbau einer eigenen Sporenbibliothek und dem Versand von Pilzbrut in ganz Europa. 2011 gründete er den Verein Dendrotektura, der Bäume gezielt zu Möbeln — etwa Stühlen — heranwachsen lässt, 2012 den Verein Hirschkäfer zur Erforschung von Zuchtbedingungen einheimischer und exotischer Käferarten mit einem eigenen Zuchtshop (Käferkäfer).

2014 begann mit dem Skyfood-Projekt zur Zucht essbarer Insekten der Themenschwerpunkt, der sein Werk bis heute prägt. Es folgten Forschungsreisen nach Thailand, Vietnam, Kambodscha und in die Kapverden, die Organisation des ersten Schweizer Netzwerktreffens zum Thema essbare Insekten, sowie ab 2017 mehrere mehrwöchige Einsätze in der Demokratischen Republik Kongo im Rahmen eines von der Heilsarmee Schweiz und der Salvation Army finanzierten Entwicklungsprojekts zur Wiedereinführung essbarer Raupen. Gemeinsam mit dem kongolesischen Partner Augustin Konda ku Mbuta entstand das Mbinzo-Projekt zur Domestizierung der Eri-Seidenraupe Samia ricini, das bis heute fortgeführt wird. Parallel dazu lief von 2018 bis 2021 das vom Bundesamt für Landwirtschaft finanzierte Forschungsprojekt «Food from Wood» zur Nahrungsmittelproduktion aus kompostierenden Pflanzenabfällen mit Hilfe von Pilzen und Insekten, angesiedelt bei der ZHAW Wädenswil.

2019 gründete Ambühl mit dem Skyfood Verlag eine eigene Publikationsplattform, über die seither sämtliche Bücher erscheinen — dem Grundsatz folgend, Wissen und Erzählung nicht als Kommerz, sondern als Demonstration zugänglich zu machen: Alle Titel sind als freie PDF verfügbar, physische Exemplare können bestellt werden.

Literarisches Spätwerk und Patmos

Ab 2020 entstand mit Covidokratie, Liebe und ziviler Widerstand ein pointiert zeitkritisches Werk zur Corona-Zeit, verfasst teilweise während eines Kongo-Einsatzes, später erweitert und 2021 in zweiter Auflage veröffentlicht. Im selben Jahr erschienen The Great Regret — Das Grosse Bedauern (entstanden auf Kreta) und Schiffswürmer (entstanden auf Kos, Kalymnos und Telendos, fertiggestellt in Montenegro, mit 80 eigenen Zeichnungen). 2022 folgten die 600-seitige Gesellschaftscollage Venedig versenken — ein Werk zu Schwarmintelligenz, Staatsphilosophie, Macht und Eigenverantwortung — sowie der Erzählband Blaue Früchte und die Neubearbeitung Warme Füsse.

2023 reiste Ambühl nach Patmos, um dort ein Bild zu malen — eine Reise, die zum Ausgangspunkt seiner mehrbändigen Erzählreihe wurde. Der erste Band erschien im Juli 2023 unter dem damaligen Reihentitel Das letzte Bild mit dem Untertitel Insel der Apokalypse, mit rund 100 Originalzeichnungen des Autors; im selben Jahr folgte Band 2, Schiefes Meer, sowie das schmale Bändchen Wege des Esels. Im November 2023 verabschiedete sich Ambühl von der Schweiz, um erstmals auf Patmos zu überwintern.

2024 erschien, nun unter dem Reihentitel Die Heilige Insel, der dritte Band Verbeulte Pilger in zwei umfangreichen Teilen. Im Januar 2024 lernte Ambühl auf einem Schiffsausflug die kaum besiedelte Insel Agathonisi kennen und konnte im Mai desselben Jahres dort ein brachliegendes, terrassiertes Landstück erwerben, das er seither Schritt für Schritt zu einem ökologischen Selbstversorgungs- und Demonstrationsprojekt entwickelt: Solarenergie, Wassermanagement, über hundert gepflanzte Obstbäume und, in der Folge, Geflügelhaltung, Getreideanbau und Bodenregeneration mit Biokohle. Im selben Jahr liess sich Ambühl von seiner Frau Azita scheiden.

2025 entstanden auf dem Grundstück in Kambos auf Agathonisi drei grosse Regenwasser-Auffangbecken, besetzt mit Goldfischen zur Mückenbekämpfung und mit Wasserpflanzen. Ambühl erwarb zwei weitere, durch Ziegenüberweidung degradierte Grundstücke in Kambos, liess die ziegensichere Umzäunung des gesamten Geländes fertigstellen und begann mit der Planung eines Permakulturgartens — Agathonisi liegt klimatisch in der USDA-Zone 11a, vergleichbar mit Kalifornien, wobei die winterlichen Niederschlagsmessungen (526,5 mm im Winterhalbjahr 2024/25) den kalifornischen Durchschnitt sogar übertrafen. Rund 100 weitere Bäume kamen dazu, darunter Zitrusfrüchte, Johannisbrotbäume, Aprikosen, Granatäpfel, Mandeln, Kastanien und Feigenkakteen sowie Pinien und Zypressen als Windschutz.

2026 erschien der vierte Band der Reihe, Göttliche Leerverkäufe, wiederum in zwei Teilen mit je rund 400 Seiten und zahlreichen eigenen Illustrationen; der fünfte und letzte Band ist in Entstehung. Auf Agathonisi zeigte sich in den künstlichen Teichen von Kambos bereits die dritte Goldfisch-Generation, ein Paar Griechischer Landschildkröten (Testudo hermanni) bezog ein eigens gebautes Gehege, und Ambühls Schwester Ursula entdeckte im Januar an der Palos-Beach eine wildlebende kleine Landschildkröte einer Art, die auf der Insel als ausgestorben galt. Der Gartenbau nahm feste Formen an: Spargelanbau, 60 gepflanzte Rebstöcke, der Koboldkärpfling Gambusia affinis sowie im Juli eingeführte Wasserpflanzen, dazu die Fertigstellung eines rund 200 Kubikmeter fassenden grossen Sees. Die winterlichen Niederschläge fielen 2025/26 mit 674,5 mm nochmals deutlich höher aus. Ambühl bezog daneben ein kleines Appartement in Megalochorio und liess die Skulpturengruppe «Bewegte Balken» in Nürensdorf renovieren. Zudem wurde die aufwändige Illustration des seit 2020 textlich fertiggestellten Buches Food from Wood in Angriff genommen.

Ein fünfter, abschliessender Band der Heiligen Insel ist in Arbeit; er soll unter anderem das im Werk wiederkehrende Theaterstück Morija um zwei weitere Akte auf sechs Akte erweitern und damit vollenden, sowie die Geschichte der Figur Studer mit den verschollenen Theaterstücken des Aristophanes zusammenführen.

Werk und Haltung

Was Ambühls literarisches Werk seit Das letzte Bild / Die Heilige Insel auszeichnet, ist die enge Verzahnung von Beobachtung, Reise und philosophischem Gespräch: Sein Alter Ego «Danielos» diskutiert mit Sokrates, Aristophanes und anderen Stichwortgebern über Fragen der Natur, der Deutungshoheit von Geschichten und der Beliebigkeit kultureller Überschreibungen. Die Zitate des 2020 verstorbenen Georg Paulmichl, eines mit Down-Syndrom geborenen Autors aus Prad im Vinschgau, begleiten die gesamte Reihe als zweite, ungeschönte Stimme.

Diese Verbindung von künstlerischer Freiheit, wissenschaftlicher Neugier und ziviler Streitbarkeit — von den frühen Bildwegen über die Pilz- und Insektenforschung bis zu den Patmos- und Agathonisi-Büchern — bildet den roten Faden in Daniel Ambühls Werk. Sein erklärtes Ziel, sowohl auf Agathonisi als auch in seinen Büchern, ist Demonstration statt Kommerz.

Videos

Zwei YouTube-Kanäle begleiten Ambühls Forschungsarbeit mit Lehrvideos und Praxisdokumentation:

Werkübersicht

Literarisches Werk

Populärwissenschaft & Praxis

Alle Titel sind als freie PDF erhältlich; gedruckte Exemplare können per E-Mail an mail@danielambuehl.ch bestellt werden.